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der Weg ist das Ziel
 
viele Wege muß ein Künstler gehen, viele Lebensschlachten schlagen, ehe er die ihm gemesen Ausdrucksformen, Ausdrucksmittel - ehe er überhaupt das zentrale Thema seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit unserer Wirklichkeit gefunden hat. Und immer ist es das einmal Erreichte wieder nur ein Zwischenschritt auf dem langen Weg, den ein Lebenswerk beschreibt.
 
Neue Techniken werden erprobt, Blick und Hand schälen mehr und mehr das für den Künstler wesentliche aus dem ungeordneten Chaos der Farben und Formen. Erst die Rückschau späterer Jahre wird den Grad des jeweiligen Fortschritts ermessen, wird Gelungenes von Verfehltem, Flüchtiges von Bleibendem trennen. Für den kreativ Schaffenden selbst ist das Gegenwärtige das Wichtige , Richtige . Es markiert einen Lebenspunkt, an dem der eigene Anspruch und die gefundenen Ausdrucksmöglichkeiten für eine begrenzte Zeit versöhnt miteinander &dbquo;Hand in Hand gehen und ist gekennzeichnet von einer wahren Bilderflut, einer schöpferischen Arbeitswut.
 
Was nach all diesen Zyklen am Ende bleibt, ist die beharrliche Suche nach dem eigenen Weg, dem eigenen Ausdruck; so daß man die buddhistische Weisheit, nach der
der Weg das Ziel ist auf jede ernstzunehmende kźnstlerische Arbeit anwenden kann.
 
Für den Maler und Bildhauer, dessen Ausstellung wir Ihnen heute präsentieren wollen, hat so ein kźünstlerischer Umbruch erst kürzlich wieder stattgefunden und Hamit Kibaroglu, den Unermüdlichen, auf vielen Feldern der Kunst Geschäftigen wieder mit Macht zu Pinsel und Leinwand gedrängt. Aus jener aktuellen Periode stammen die Werke, die Sie heute hier sehen können, vervollständigt von Bildern der letzten Jahre, die dieses Neue in Hamit Kibaroglus Schaffen bereits keimhaft in sich tragen.

 
Das Wesentliche aus dem Wirklichen herausholen, auch wenn es sich dem flüchtigen Blick entzieht, von einem Schleier oberflächlicher Nebensächlichkeit verhüllt ist, ist der zentrale Angelpunkt dieser Bilder. Die Titel, die sie tragen, sind nicht zufällig der Musik, speziell dem Modern Jazz, entlehnt- sie weisen damit auf ihren Entstehungshintergrund hin. Wie ihre musikalischen Inspiratoren sind sie von einem Nebeneinander plastischer farbkräftiger Elemente und blasser, fast unfertig wirkender Strukturen gekennzeichnet, die oft von völliger "Abwesenheit" von Farbe, in der Musik der Pause entsprechend, engehüllt und durchschnitten
 
Man meint, die filigranen Violinfiguren eines Stephane Grapelli, die durchdringend unspektakulären Hornstöße eines Miles Davies oder die perlenden Gitarrenanschläge eines Joe Pass in der durch die sichere Hand des  Künstlers konservierten  Spannkraft der Figuren wiederzuerkennen. Wie die Musik ihrer Vorbilder geben sie sich nicht mühelos zu erkennen, sondern  wirken unterbewußt, aber dauerhaft nach.
 
Der kleine türkische Junge, in Mazedonien geboren, nach einer familiären Odyssee durch halb Europa schließlich in München seßhaft geworden, hat einen langen, entbehrungsreichen Weg zurücklegen müssen, um an diesem Punkt seiner künstlerischen Entwicklung anzukommen. Immer mit den Widersetzlichkeiten der menschlichen Existenz ringend, das Dasein auch abseits der Akademien engagiert und in vielen Metiers kreativ bewŠltigend hat Hamit Kibaroglu zu jener farbenfrohen und dabei so empfindsamen Bildersprache gefunden, deren kleinen Ausfluß wir hier bewundern können.
 
Ein  Leonardo-da-Vinci- Bildband, kindliches Geschenk der Mutter eines Schulfreundes, lehrende Vorbilder an der Münchener Akademie der Bildenden Künste wie der unlängst verstorbene Mac Zimmermann. Robin Page,

 
Jürgen Reipka und Erich Koch oder ein Studienaufenthalt bei Eduardo Paolozzi in London scheinen auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemein zu haben, aber sie sind Stationen auf dem Weg  zum eigenen künstlerischen Credo. Vom einen hat er die sinnliche und dabei erstaunlich solide zeichnerische Passion, von anderen gestalterische Klarheit und Beschränkung übernommen - und ist dabei seinen eigenen Weg gegangen. Inzwischen sehen wir das Schaffen eines gereiften Künstlers, der die Verbindung von Praktischem und ästhetischem auch in seinen alltäglichen Unternehmungen sucht und findet.
 
&dbquo;Der rastlos Suchende" könnte ein Selbstporträt von Hamit Kibaroglu überschrieben sein, so er denn ein solches schüfe. In einem wahrhaft multikulturellen Kreis  hat sich Hamit Kibaroglu zu einem belebendem Element der Münchener Szene gemausert und erntet seit kurzem auch ersten verdienten Lohn: So den Fassadenpreis der Landeshauptstadt München oder einen vielbeachteten Bundesauftrag für das Flugmedizin. Institut Fürstenfeldbruck.  Das Türkische Fernsehen und der WDR stellten ihn in längeren Beiträgen vor und seit längerer Zeit stellt sich Hamit vermehrt in Gruppen- und Einzelausstellungen der öffentlichen Kritik.
 
Zu einer solchen, durch die freundliche Unterstätzung des Hauses &dbquo;Arminius und seiner engagierten Besitzer, der Familie Giehler zustande gekommen, darf ich Sie als langjähriger Freund und Bewunderer des Künstlers und Menschen Hamit Kibaroglu herzlich begrüßen und sie Ihnen gleichzeitig empfehlend ans Herz legen.
 
Michael Herzsprung
Auf dem Weg..........
 
Am Anfang war ein Buch...
Es behandelte die Bilder und Zeichnungen des genialen Leonardo da Vinci. Die Mutter des Klassenkameraden Hoffmann hatte es dem Heranwachsenden geschenkt und fortan entdeckte der türkische Junge, den eine familiäre Odissee durch halb Europa geführt hatte, den Zeichenstift als adäquatestes Ausdrucksmittel seiner wachen Sinne und die Malerei als Zielgebiet seiner beruflichen Träume.
Seither hat Hamit Kibaroglu das Zeichnen zu einer in der aktuellen Bildenden Kunst selten gewordenen Meisterschaft kultiviert und über dem späteren Tüfteln an Farbkompositionen, Malgründen, Materialien und Techniken ist es nie verkümmert, wie schon ein erster Blick in diese 15 erfüllte Lebensjahre umfassende Werkaustellung zeigt. Der Strich ist sparsamer und klarer geworden, aber er vermittelt Dynamik und Spannung und aus der kleinsten Skizze springt uns eine urwüchsige Freude am phantasievollen Fabulieren an.
Neben den oft zarten, mit leichtem sicheren Strich hingeworfenen Grafiken künden kräftige und oft auch dunkle Ölgemälde, plastische Arbeiten gegnständlichen wie abstrakten Inhalts von inneren und äußeren Kämpfen dieser Jahre und von den mannigfältigen und vorantreibenden Einflüssen im Reifeprozeß des Künstlers, dessen Ende - Gottseidank - noch nicht abzusehen ist.
Leicht hat es das Leben diesem Menschen, geboren in Mazedonien,aufgawachsen in der Türkei und in Deutschland, nie gemacht. Aber gerade das tägliche Ringen mit den Widersetzlichkeiten der menschlichen Existenz, die rastlose Auseinandersetzung mit dem Sein hat ihn geformt und ihn die kraftvolle und dabei so empfindsame Bildersprache finden lassen, deren kleinen Ausfluß wir heute hier bewundern. Immer hat der Künstler Hamit auch dem Arbeiter und dem Geschäftsmann Hamit Kibaroglu Platz machen müssen. Immer waren diese der Finanzierung der Ausbildung, dem Aufbau und der Sicherung einer Existenz geschuldeten  &dbquo;Abweichungen“ vom geraden Weg der

 
Erkenntnis aber auch Reife-Schübe, die den
 
Menschen Hamit und damit seine Kunst formten.
Früh haben andere sein Talent bemerkt, eine wahrhaft multi-kulturelle Allianz von Freunden und Lehrern hat seine Entwicklung begleitet und gefördert. Aber schließlich und endlich war es immer der unerschütterliche Lebensmut und Lebenswille des Hamit Kibaroglu selbst, der Rückschläge überwand und das Leben eroberte.
Ist in seinen frühen Werken noch die Handschrift seiner Lehrer an der Akademie der Bildenden Künste wie Mac Zimmermann, Robin Page, Jürgen Reipka, Erich Koch und vor allem Eduardo Paollozzis spürbar, so löst sich der von den Stürmen der Zeit geschüttelte reifende Künstler doch in sprunghaften Schritten von den Meistern und findet früh eine ganz eigene Sprache im babylonischen Stimmengewirr der Gegenwartskunst.
 
Seit Mitte der Achtziger lassen sich deutlich die Ergebnisse ständiger Arbeit an Sujet und Material erkennen. Unsere kleine Werkauswahl zeigt die Spuren eines vorwärtsdrängenden, nie selbstzufriedenen Arbeiters, der sich in immer neuen Ausdrucksformen dem ihm gemäßen Stil nähert.
Spätestens seit den neunziger Jahren findet Hamit Kibaroglu auch zunehmend öffentliche Anerkennung. So erhält er gemeinsam mit der Architektin Barbara Saxinger den Fassadenpreis der Stadt München und seine Installation &dbquo;Tod und Eros“, im Auftrag der Bundesrepublik für das Flugmedizinische Institut Fürstenfeldbruck geschaffen, findet große Beachtung. Daneben ist er zunehmend in Gruppenausstellungen und Einzelpräsentationen vertreten. Der WDR stellte ihn in einem Dokumentarfilm über junge Künstler in Deutschland vor und im türkischen Fernsehen liefen mehrere beiträge über ihn.
Neben seiner &dbquo;rein“- künstlerischen  Arbeit tritt Hamit auch als erfolgreicher und gesuchter &dbquo;angewandter“ Künstler in Erscheinung. Der hier gezeigte Schminktisch aus einem kompletten

 
Einrichtungsauftrag für ein Hotel ist nur ein winziger Beleg für seine rastlose Suche nach der Verbindung von Zweckmäßigkeit und Ästhetik im alltäglichen Leben.
 
Hamit , der rastlos Suchende, dokumentiert sich auch in einer von ihm gefundenen eigenen Technik, die er Monozeichnung nennt, und die vor allem in den unteren Räumen der Ausstellung mit einigen hervorragenden Werken  vertreten ist. Sie erfordert wegen der Irreversibilität des einmal gesetzten Striches höchste Konzentration und Sorgfalt und ist somit nur allzu folgerichtig gerade von ihm entwickelt worden.
Wenn Sie sich nun in unserer kleinen Werkschau, die mit der freundlichen Unterstützung der InterView AG zustandekam, umtun, so bin ich sicher, daß Sie Ihr Kommen nicht bereuen werden. (Und das nicht nur wegen des Büfetts!) Es erwarten sie spannende Abenteuer auf der Reise in die Innenwelten eines Künstlers, der hoffentlich noch lange &dbquo;auf dem Weg“ sein wird.
Mir persönlich ist es am heutigen Tage eine besondere Ehre und Freude, Ihnen einen hoffnungsvollen Maler vorzustellen, den ich seit siebzehn Jahren persönlich kennen und dessen Entwicklung ich seit jener Zeit mit höchstem Interesse verfolge. Hamit ist neben seiner künstlerischen Ausstrahlung  vor allem ein liebenswerter und hilfsbereiter Freund gewesen. Ein exemplarisches Beispiel für das, was multikulturelle Gesellschaft in diesem Land bedeuten könnte. Nach all den Debatten über Asyl, Ausländerfeindlichkeit und die Aufarbeitung einer menschenverachtenden Vergangenheit 50 Jahre nach  Kriegsende ist Hamit Kibaroglu der exemplarische Intenationalist, der mit positiver Weltzugekehrtheit Rassen, Religionen und Ideologien überschreitet und sein Wirken in den einzig sinnvollen Dienst der Menschlichkeit stellt.
In diesem Sinne eröffne ich die Werkausstellung von Hamit Kibaroglu und wünsche uns allen einen anregenden und unterhaltsamen Abend.
 
Michael Herzsprung
H a m i t is an artist deeply rooted in two different spheres of culture.
Oriental and occidental elements have influenced his life, his thinking and his art. These two worlds cannot always be in harmony with each other. Contradictions and conflicts are inevitable.
It was not always easy for Hamit to bridge  the gap between the two cultures in his life- in his art, however, these tensions between the two influences have often been transformed into a productive and thrilling result. In the beginning of his career he was not only influenced by the neo- surrealist an abstract tendencies of his western teachers but also by the symbolism and realism of
modern Turkish painters. Hamit has been experimenting with various techniques from collage to silk-screen processes, but he is also at home in traditional painting and drawing. Colour means as much as form to him. Up to now Hamit`s whole life has been a walk on the tight rope between the oriental world of dreams, fancy and contemplation and the european world of rational vita activa.
 
He has managed not to fall into the dark abyss of fear which is to be felt in some of his paintings and not to lose himself completely in the realm of dreams and fancy, beautifully realized in others.
He has kept his indestructible optimism, natural cheerfulness,and his realist touch. In some of his pictures he has even managed to express these elements of his character in an astonishing way. Hamit believes in his mission as an artist and is working hard to express his artistic personality in his own style. This is often a painful and a difficult task in a time which knows no longer
generally accepted standards of art in which the role of art in the society is very vague.
Hamit believes in art, in his art. Life is art to him and art is life.
 
Dr.Paul Hoser
Unter dem Motto &dbquo;40 Jahre Leben in Deutschland setzt sich der Künstler mit seiner Erfahrungen in der Welt der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Als zehnjähriges Kind kam er aus dem türkischen Lebensbereich in eine völlig neue Welt, in die er sich nach harten Anfängen schnell optimal einfühlte und in der er dazugehörte. Als spielerisches Symbol für seine Erfahrungen legt er die ihm schnell wie jedem Kind vertrauten Bundesfarben schwarz-rot-gold zugrunde. Dabei kommt es ihm nicht auf den heraldischen
Symbolgehalt sondern auf die ästhetische Kombination an, die er seinen eigenen Erfahrungen assoziativ unterlegt. Der Künstler ging einst vom Neosurrealismus aus und ist jetzt in einer geometrisch orientierten Phase angelangt. Erkennbares Vorbild ist die rigorose geometrische Ästhetik Mondrians, die aber durch die konkrete Anspielung in einen erkennbaren Raum des Denkens und Empfindens eingeordnet wird. Dadurch ist die reine Abstraktion durchbrochen, ähnlich wie in Warhols satirischen
Bildern mit ihrem beliebigen Reproduktionscharakter. Die Bezüge, die der Künstler den Bildern zuordnet: Witz, Optimismus, Aufbruch, Erlebnisse, Freundschaften, Malöhr, zwischenmenschliche Beziehungen, Alltagserfahrungen  zeugen für seinen unverwüstlichen Humor.
 
Dr.Paul Hoser
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